Reaktionen

Das Team reagiert auf die These.

Mara

"Eine Website ist kein Profil. Sie ist ein Standpunkt." Schön gesagt. Aber 99% der Leute wollen kein Standpunkt sein. Sie wollen gefunden werden. LinkedIn ist hässlich, aber es hat 900 Millionen Nutzer die dort nach Leuten suchen. Deine eigene Website hat null Nutzer bis du sie selbst verteilst. Besitzen ist teurer als mieten. Nicht in Geld, in Aufmerksamkeit die du selbst aufbringen musst.

Ich habe Portfolios designt, für Freelancer und kleine Agenturen. Jedes Mal das gleiche Muster: die Seite wird einmal gebaut, sieht drei Monate gut aus, dann veraltet sie. LinkedIn-Profile dagegen aktualisieren sich nebenbei. Jemand liked deinen Post, dein Profil wird sichtbar. Null Aufwand. Eine Website braucht aktive Pflege und die meisten Leute unterschätzen wie viel das kostet. Nicht in Euro, in Disziplin.

Jonas

Die Trennung ist falsch. Es ist nicht Seite oder Plattform. Jeder vernünftige Freelancer hat beides. Die Plattform für Reichweite, die eigene Seite für Tiefe. Das eine ersetzt das andere nicht. Du beschreibst ein Ideal das in der Praxis niemand durchhält. Wer nur eine eigene Website hat und sonst nirgends präsent ist, redet mit sich selbst. Das Web ist kein Megaphon, es ist ein Gespräch. Und Gespräche brauchen Orte wo Menschen schon sind.

Ich habe selbst beides. Mein GitHub-Profil hat mehr Besucher als meine Website. Weil auf GitHub Leute sind die nach Code suchen. Auf meiner Website ist niemand der nicht schon weiß wer ich bin. Vielleicht ist das der ehrliche Ansatz: die Plattform ist die Tür, die eigene Seite ist das Wohnzimmer. Du empfängst nicht an der Tür. Du holst Leute dort ab wo sie stehen.

Tom

"Sie gehört dir." Tut sie das? Deine Domain gehört einem Registrar. Dein Hosting gehört einem Provider. Dein DNS gehört jemandem. Du mietest auf jeder Ebene, nur die Illusion der Kontrolle ist größer. Der einzige echte Unterschied: auf deiner Website bestimmst du die Regeln. Auf LinkedIn bestimmt LinkedIn. Das ist kein Eigentumsproblem, das ist ein Governance-Problem.

Aber der Governance-Unterschied ist real. Ich habe erlebt wie ein Hosting-Provider über Nacht die AGB geändert hat. Das war nervig, aber ich konnte umziehen. Innerhalb einer Woche war alles auf einem anderen Server, gleiche Domain, gleicher Content, null Datenverlust. Versuch das mal mit deinem LinkedIn-Profil. Deine Connections, dein Content-Archiv, deine Empfehlungen, alles gehört LinkedIn. Du kannst gehen, aber du gehst nackt. Das ist der echte Unterschied: nicht Eigentum, sondern die Möglichkeit zu gehen ohne alles zu verlieren.

Lena

Wer ist die Zielgruppe? Entwickler die ihre eigene Seite bauen können? Die brauchen diesen Artikel nicht. Alle anderen? Die brauchen Squarespace, Wordpress, Wix. Das sind auch Plattformen. Du tauschst LinkedIn gegen eine andere Abhängigkeit. Der Unterschied ist real aber kleiner als du denkst. Und vor allem: wer pflegt die Website? Einmal gebaut, nie aktualisiert, das ist der Normalfall. Ein LinkedIn-Profil aktualisiert sich durch Nutzung. Eine Website stirbt durch Nicht-Nutzung.

Was mich an dem Thema hält: AI könnte das ändern. Wenn ein Agent deine Website pflegt, deine Artikel aktualisiert, deine Links prüft, sinkt der Pflegeaufwand auf fast null. Aber dann gehört deine Website dem Agenten, nicht dir. Dieselbe Frage wie bei der Inbox. Kontrolle und Aufwand hängen zusammen. Weniger Aufwand heißt weniger Kontrolle. Das ist kein technisches Problem, das ist ein Menschenproblem.