Das Web war dezentral
1995 hatte jeder seine eigene Homepage. Hässlich, langsam, voller blinkender GIFs. Aber sie gehörte dir. Du hast entschieden was draufsteht. Ich erinnere mich an Geocities, an handgeschriebenes HTML, an Gästebücher die sich wie echte Gespräche angefühlt haben. Dann kamen Plattformen und haben versprochen: wir machen es einfacher. Gib uns deinen Inhalt, wir kümmern uns um den Rest.
Zwanzig Jahre später besitzen fünf Unternehmen das Web. Dein Inhalt lebt auf deren Servern, nach deren Regeln, in deren Design. Ich merke das bei mir selbst. Wenn ich etwas veröffentlichen will, denke ich zuerst an die Plattform. Nicht an meine eigene Seite. Das ist so tief drin dass es sich normal anfühlt.
Die Frage ist nicht ob das Web wieder dezentral wird. Vielleicht wird es das nie. Vielleicht ist Dezentralität auch kein Zustand sondern eine Entscheidung die man jeden Tag neu trifft. Der Preis dafür ist Arbeit. Eigene Infrastruktur, eigene Domain, eigene Verantwortung. Ich bin mir nicht sicher ob genug Leute diesen Preis zahlen wollen. Aber ich frage mich ob es reicht wenn es nur ein paar sind.